die Schmith

28. Mai 2012

Mein Kopftuch

Einsortiert unter: Ach nee — die Schmith @ 15:19
Ich habe ein Kopftuch. Ein Einziges. Es ist ­grün-gelb-blau-weiß-rot, hat ein florales Munster und ist ca. 50*50 cm groß.

Es stammt aus meiner Kindheit in der DDR. Selbst das Schildchen mit den Waschhinweisen ist noch dran. Leider ist es nur noch weiß mit winzigen blauen Stellen, aus denen man nichts mehr heraus orakeln kann. Es ist aus Baumwolle und sollte so problemlos Kochwäsche überstehen. Es passt sogar noch um meinen Kopf und sieht nicht mal blöd aus.

Als Mädchen in der DDR ein Kopftuch umgeschnallt zu bekommen, war normal. Meine Mutter fing halb sieben an zu arbeiten und musste den Bus nehmen. Entsprechend früh, also meist gegen sechs, musste ich im Kindergarten sein (war mit der Kinderkrippe genauso). Kinder gelten ja doch als empfindlicher als Erwachsene, also muss man sie gut einpacken, damit sie sich nichts wegholen. So dachten unsere Eltern damals wohl. Heute wohl auch noch.

Also bekamen wir Mädchen damals an kühlen Morgenden eben ein Kopftuch umgeschnallt. Die Mützen wären allesamt zu warm gewesen für Spätsommer, Frühherbst oder Frühling. Und selbst wenn die Sonne tagsüber unbarmherzig bretterte, diese Nächte waren doch recht kalt und entsprechend ziepte die Luft morgens schon mal.

Ich habe es gehasst, wenn der Knoten unter dem Kinn war. Lieber im Nacken. Aber da hält ja das Tuch nicht richtig und verrutscht andauernd. Also den Knoten unters Kinn. Natürlich nicht ohne Protest. Es macht einer jungen Mutter sicherlich unglaublich viel Spaß mit einem bockigen Kind, das nicht so rumlaufen will, wie eine alte Oma, “mitten in der Nacht” die Straßen entlang zu müssen.

Mein Kopftuch stellt kein religiöses Symbol dar. Religion war in der DDR ohnehin so ‘ne Sache. Und vielleicht werd ich’s diesen Sommer ja gegen die Sonnenhitze tragen. Nichts ist ekliger als Sonnenbrand auf der Kopfhaut. Da, wo man sich ob der Haare nichts hinschmieren kann. Und Hüte hab ich keine. Will ich auch nicht.

Eben habe ich das Schildchen entfernt. Es hing eh nur noch unhübsch daran, enthielt keine Waschhinweise mehr und war letztlich nur noch störend. Na denn…

Besser…

Einsortiert unter: Ach nee — die Schmith @ 00:47

…könnt ich’s auch nicht ausdrücken…

27. Mai 2012

Dinge, die ich hasse

Einsortiert unter: Ach nee — die Schmith @ 15:01

Meine chronisch kranke Nase und ihr Umfeld:
Ständig drängt sie sich in den Vordergrund. Geröchel, Geschleime, Geschnaufe. Kaum wurde glibberiges Sekret ins Taschentuch entledigt, füllt sie sich erneut. Wie soll man so frei durchatmen?

Nebenwirkungen:
Grundloses Gegähne, Leierkopp, eklige Magenschmerzen, Hitzewallungen, noch mehr Koppaua, Gewichtszunahme, blablabla.

Psychosomatischer Scheiß:
Was will meine Psyche mir da mal wieder aufdrängen? Braucht kein Mensch.
Bekämpfung der Symptome ist regelrecht aussichtslos, da es keine körperliche Ursachen gibt. Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden und das dauert und dauert und dauert und dauert und strengt arg an.

Haare im Gesicht:
Wind von hinten oder von der Seite kann ja so lästig sein, wenn die eigene Frisur ein gewisses Maß an Haarlänge überschritten hat und sich verwedeln lässt. Besonders unangenehm werden Haare im Mund. Krieg die mal schnell genug wieder da raus.

Tortenradio:
Mit Rotwild ohne H.
Immer der gleiche Sempf in verschiedenen Verpackungen. Wie kann man ein ganzes Jahrzehnt auf nur max. ca. 200 Lieder reduzieren? Vor allem nerven die auch noch. Dazu dann ein regelrecht selbstgerechtes Gelaber, das einen auf besonders (eklig) gute Laune macht. Und jeder Sender behauptet dann von sich auch noch der geilste zu sein, dabei spielen im Prinzip alle das gleiche und haben nur andere Namen und Stimmen im Programm.

Nachbarn:
Besonders, wenn sie ihren Dreck oder akustischen Müll mit ihrer näheren Umgebung meinen, teilen zu müssen.

Zu viele Bücher:
Wenn einfach nicht genug Platz in den Regalen vorhanden ist, hilft nur anbauen oder aussortieren.

Vergesslichkeit:
So viele Spickzettel passen in keine Hosentasche.

25. Mai 2012

Hm….

Einsortiert unter: Ach nee — die Schmith @ 22:59

Montag ist wieder so ein Feiertag, bei dem ich keine Ahnung hab, wofür der eigentlich da ist. Weiß es jemand?

Und in den letzten Tagen ist mir wieder mehrfach die Frage begegnet, ob der Islam nun zu Deutschland gehört oder nicht. Diesbezüglich bin ich etwas gespalten.

Einerseits haben wir die Trennung von Kirche und Staat, auf der anderen Seite Feiertage, die sich hauptsächlich zwei Religionen zuordnen lassen. Die sind nicht mal bundeseinheitlich, aber das hatten wir ja schon mal.

Auf der einen Seite meine ich schon, dass der Islam dazugehört. Schließlich wohnen in diesem Land Menschen und die dürfen glauben, woran sie wollen. Das sagt jedenfalls das Grundgesetz. Will heißen, alle anderen Religionen haben ebenfalls ihre Berechtigung in diesem Land.

Auf der anderen Seite vertritt dieses Land den Laizismus und das verwirrt mich. Denn dann gehört der Islam nicht dazu. Alle anderen Religionen aber auch nicht. Ist schließlich auch nicht deutsch. Das wurde ja alles ganz woanders erfunden. Da hätte ich dann doch lieber Odin mit seinem Gefolge zurück. Der war schließlich eher hier als irgendein christlicher (oder anderer) Hansel.

Also entweder hier werden die Religionen berücksichtigt, die hier ausgeübt werden, oder wir vergessen diesen religiösen Krempel und wer an gewissen Tagen unbedingt freihaben will, der kann sich den Tag ja freinehmen. Die meisten Menschen hier nutzen diese Tage doch eh nur, um nicht arbeiten zu müssen und sich vielleicht die Kante zu geben und einfach mal nur machen, worauf sie Bock haben, statt in irgendein Gotteshaus zu rennen und sich “erleuchten” zu lassen. Ganz oder gar nicht, finde ich.

 

Kann mir jetzt jemand sagen, wofür der Montag frei ist?

23. Mai 2012

Mein Skill-Koffer

Einsortiert unter: Ach nee — die Schmith @ 16:13

Bevor ich erkläre, was ich da drin hab und wie mir das helfen soll, eine kurze Beschreibung, was das überhaupt ist.

Skill-Koffer werden Behältnisse genannt, die sogenannte Skills enthalten. Keine Ahnung, wer das meinte, so nennen zu müssen. Der erste Gedanke, der mir bei Skills kommt, ist Fähigkeit zu irgendetwas. Dinge, die ich kann.
Nun, hier ist etwas anderes gemeint. Dinge, die man benutzt, um “runterzukommen”. Also eine Art Backpfeife, die man jemandem verpasst, der vor Panik gar nichts mehr kann, außer panisch zu sein.

Es geht hier um BPS*. Allgemein wird gern behauptet, der Borderliner verletzt sich absichtlich, weil er etwas spüren will oder er will nur Aufmerksamkeit. Damit macht man es sich ein bisschen zu einfach. Das Krankheitsbild ist sehr komplex und es geht nicht hauptsächlich darum. In erster Linie ist für die Verletzungen ein immenser Druck verantwortlich, den der Patient verspürt. Druck, sich auf eine ganz bestimmte Art Schmerzen zuzufügen. Das muss kein Schnitt mit einer scharfen Klinge sein. Das kann auch sehr starkes Kratzen sein, Beißen, Schlagen, Verbrennungen undundund.

Der Schmerz ist ein Ventil und er fühlt sich nicht zwangsläufig schlecht an. Es kann ein regelrechter Genuss sein. Und das weiß ich aus eigener Erfahrung. Und diese möchte ich gar nicht mehr am eigenen Leib spüren. Leider wächst der Druck wieder und damit auch die anderen Probleme.

Borderliner leben in Extremen und diese können schlagartig wechseln. Anders als bei Bipolaren haben sie nicht wirklich Zeit, sich in einem Gefühlszustand einzurichten. Der Wechsel ist viel zu schnell und zu oft. Das ist nicht nur für den Betroffenen eine Qual, sondern auch für alle Personen, die damit konfrontiert werden. Zum Beispiel Angehörige oder Freunde. Um das durchzustehen, braucht man wirklich starke Nerven. Durch die fehlende Konstante wird der Betroffene für andere unberechenbar. Weil man mit allem rechnen muss und das ist eine zu große Bandbreite an Eventualitäten.

Um den immer stärker werdenden Selbstverletzungsdruck einzudämmen, muss der Betroffene herausfinden, bis zu welchem Punkt ihm die Skills noch etwas bringen. Dazu wird in Therapien gern eine Art Druckbarometer angefertigt mit den Stufen eins bis zehn. Zehn ist ganz oben, eins ganz unten. Bei mir wird es auf Stufe sieben sehr kritisch. Wird dieser Punkt überschritten, hilft mir nichts mehr. Wenn man Skills anwenden will, ist das das Erste, was man für sich herausfinden muss.
Wie hoch ist mein Druck gerade? Wie fühle ich mich auf welcher Stufe? Wo ist meine Grenze? Wie lange kann ich aushalten? Welche Skills helfen mir eventuell und wann?

Für jeden funktionieren andere Skills. Extreme Reize aber auch einfach Dinge, die die Aufmerksamkeit davon weglenken, um seinen Druck halbwegs abbauen zu können. Dass es nicht immer funktioniert, weiß ich leider auch.

Kam es zu einer Selbstverletzung, muss der Patient hinterher leider auch in den sauren Apfel beißen und reflektieren. Dazu helfen bestimmte Fragen wie: Wie hoch war der Druck? Was war der Auslöser? Was habe ich davor gefühlt, was danach? Welche Versuche habe ich unternommen, um mich nicht zu verletzen?
Diese Fragen helfen, um sich in solchen Situationen besser zu verstehen. Wichtig ist auch zu versuchen, den Druck so lange wie möglich auszuhalten. Das ist sehr, sehr schwer. Mit dem Druck ist es aber wie mit Angst, irgendwann geht die Kurve nach unten und diesen Punkt muss man erreichen. Bricht man zu früh ab, also gibt man seinem Gefühl nach und verletzt sich, erreicht man ihn nicht. So erfährt man auch nicht, wie es sich anfühlt und wie lange es dauert. Den Druck auszuhalten beweist eine immense innere Kraft. Wer es einmal geschafft hat, schafft es auch ein zweites Mal.

Nun zu meinem Koffer und dessen Inhalt.
Ich habe einen Igelball da drin, einen signierten BH (das war ein Spaßgeschenk einer lieben Freundin); Notfallnummern; alte Postkarten und Briefe; Brausepulver; Tee; Taschentücher; Schnipsgummis; einen Handschmeichler; Gummitiere; Creme; eine Duftkerze; eine Liste mit Liedern, die mich ablenken sollen; notierte Skills, die man da nicht reinpacken kann (Eiswasser, Coolpacks, Luftmatratze aufpumpen und solche Dinge) und Cartoons. Abgesehen davon ist mein “Koffer” ein Karton. Und immer öfter wird mir wieder bewusst, dass ich ihn besser nicht zu weit wegstellen sollte. :|

* Borderline Persönlichkeitsstörung

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